Freikirchen (Teil 2) – FEG Hochstetten - Mai 2010


Evangelische Freikirchen
Foto: Werner

Bewusstes und vertrauensvolles Leben mit Jesus

Seit 116 Jahren geht die Freie evangelische Gemeinde Hochstetten ihre eigenen Wege auf der Grundlage der Bibel

Von Alexander Werner

Die Atmosphäre ist familiär, der Saal proppevoll. Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder singen, beten und verfolgen die Anspiele, die auf lockere Weise den Glauben auch für die Jüngsten anschaulich vermitteln. Nicht nur zu diesem Gottesdienst beim jährlichen Gemein-detag der Freien evangelischen Gemeinde Hochstetten (FeG), der unlängst gefeiert wurde, kommen sehr viele Mitglieder und Freunde. Jeden Sonntag strömen mehr als 200 Menschen ins Gemeindezentrum. Das Gemeindeleben ist sehr familienorientiert. Neben dem Gottesdienst treffen sich Menschen regelmäßig in Hauskreisen und Kleingruppen. Für Kinder und Jugendliche gibt es reichhaltige Angebote.

Vor 116 Jahre löste sich die Gemeinde aus dem Mutterschoß der badischen Landeskirche, ging eigene Wege und trat später dem Bund Freier evangelischer Gemeinden bei. Ihre Selbstständigkeit und die Trennung von Kirche und Staat sind ihr so wichtig, dass sie keine Gelder aus der Kirchensteuer beansprucht, was dem Bund FeG möglich wäre. So fußt die Finanzierung vor allem auf Spenden.

Wie die der anderen freien Gemeinden in ihrem Bund liegen die Wurzeln der FeG Hochstetten in Frankreich. 1854 wurde die erste in Deutschland von Hermann Heinrich Grafe in Elber-feld gegründet. Grafe formulierte den Begriff von der „freien Gnade in Jesus“, welche die „Einheit der Kinder Gottes“ betont und die Gemeinde als Sinnbild des Leibes Christi versteht. Derzeit gehören dem Bund hierzulande rund 420 Ortsgemeinden mit etwa 36 000 Mitgliedern an.

„Auch wir verstehen uns als Teil der Erweckungsbewegung in der Hardt“, erklärt Pastor Hans-Peter Bruck. Wesentlich dafür sind die persönliche Beziehung zu Gott, die Frömmigkeit und das „Vertrauen in die Bibel als Gottes Wort“. Dennoch habe seine Gemeinde ein eigenes Profil mit den Grundanliegen, den Menschen vor Ort zu helfen und ihnen das Evangelium nahe zu bringen. Unterschiede zur Landeskirche werden deutlich beim Gemeinde-, Abendmahls- und Taufverständnis. So werden in Freien evangelischen Gemeinden keine Säuglinge getauft, sondern „Menschen, die für sich eine vertrauensvolle Beziehung zu Jesus eingegan-gen sind“, so Bruck. Dies erfordere auch, sich bewusst mit dem Glauben auseinanderzusetzen und sich einem Leben mit Jesus zuzuwenden. „Deshalb lehren und praktizieren wir die Glau-benstaufe durch Untertauchen.“

Je nach Entwicklung, Lebenssituation und persönlicher Überzeugung nehmen die jungen Menschen dieses Angebot an. Wenngleich keineswegs alle ihren Weg im Glauben finden. Ihnen diesen schmackhaft zu machen und die mit Bibel vertraut zu machen, bildet einen Schwerpunkt in der vielfältigen Kinder- und Jugendarbeit der FeG, die ein hauptamtlicher Jugendpastor betreut.
Theologisch ist die Glaubenstaufe durchaus ein heikles Thema, gerade, weil sich auch Men-schen, die bereits als Säugling getauft wurden, zu diesem Schritt entschließen können. In der praktizierten Form beschwört dies indessen heute keine Konflikte mehr mit der evangelischen Kirche herauf. Denn wer seine Kindstaufe für sich anerkennt, kann bei der FeG auf eine spä-ter Taufe verzichten. Die Bezeichnung „Wiedertaufe“, im Sakramentsverständnis der evangelischen Kirche ein Tabu, hört man bei der FeG nicht gern. Dass diese nicht offensiv vertreten und heute seltener vorkommt, ist mit ein Grund, das das Verhältnis zur Kirchengemeinde Hochstetten seit langer Zeit ungetrübt ist.

Wie Pastor Bruck sieht auch Hochstettens Pfarrer Manfred Bender längst das „Verbindende und nicht das Trennende im Vordergrund“. Eine Konkurrenz erkennt er ebenso wenig: „Wir begegnen uns sehr offen und laden beide Menschen ein, die bislang weder von uns noch von ihnen erreicht wurden.“ Gut funktioniert auch die Zusammenarbeit in der evangelischen Alli-anz, innerhalb der es bei der Gebetswoche unlängst auch einen Kanzeltausch gab, der, so Bender „auf beiden Seiten sehr positiv aufgenommen wurde“.
Alexander Werner

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