Freikirchen (Teil 5) – Methodisten aus Stutensee und Weingarten im Verbund
- Mai 2010


Evangelische Freikirchen
Foto: Werner


Große Offenheit im Geist einer christlichen Gemeinschaft

Die kleinen methodistischen Gemeinschaften in Weingarten und Stutensee leben auch im Bezirksverbund gut

Von Alexander Werner

„Wir verstehen uns als Kirche für den Menschen, wollen ihm begegnen mit dem Wort und der Verkündigung, aber auch durch die konkrete Tat und die Diakonie.“ So umreißt Oliver Lacher das Selbstverständnis der Evangelisch-methodistischen Kirche. Lacher ist als Pastor im Großbezirk Karlsruhe auch für deren Gemeinde in Weingarten zuständig.

Mit weltweit etwa 50 Millionen Mitgliedern bilden die Methodisten eine bedeutende Glaubensgemeinschaft. In Deutschland gehören den 660 Gemeinden der evangelischen Freikirche 66 000 Menschen an. Anders als andere freikirchliche Gemeinden sind die methodistischen eng vernetzt, auf der unteren Ebene in Bezirkskonferenzen. Die Ursprünge gehen auf das späte 18. Jahrhundert zurück, auf eine Erweckungsbewegung in England um den anglikanischen Geistlichen John Wesley, die von diesem unbeabsichtigt zur Gründung einer eigenen Kirche in Amerika führte. Hierzulande begann deren Wirken vor 150 Jahren.

Methodistische Gemeinden gibt es traditionell an vielen Orten, doch deren unterschiedliche Entwicklung gerade im ländlichen Raum, nicht zuletzt auch angesichts allgemeiner gesellschaftlicher Veränderungen, führten zuletzt auch in der Region Karlsruhe zu einer strukturellen Neuordnung im Verbund. In dem finden sich nun auch die alteingesessenen von Weingarten und Blankenloch wieder. Hier wie dort fehlte es an Nachwuchs, bedingt auch durch fehlende personelle Kapazitäten und finanzielle Spielräume. „In Weingarten gab es lange eine lebendige Gemeinde“, so Pastor Lacher. „Aber in den Jahren kam niemand mehr dazu. Wir schätzen die Gemeinschaft sehr, aber diese wieder aufzubauen, ist nicht möglich.“ Dennoch geschieht dort noch einiges, werden noch Gottesdienste, Hauskreise und auch im regelmäßigen Wechsel mit Blankenloch gemeinsame Bibelgespräche abgehalten.

In der Stutenseer Gemeinde ist die Lage ähnlich, wobei dort seit vier Jahren keine Gottesdienste mehr gefeiert werden. Wie viele andere in der Region besuchen die Mitglieder den nun sonntags in Karlsruhe. „Eine grundlegende Gemeindestruktur war nicht mehr gegeben“, so Pastor Kurt Junginger, der die Blankenlocher im Bezirk betreut. Beispielsweise in der Ökumene aber seien diese noch sehr aktiv, betont er. Und das sei ganz typisch für die Offenheit der ganzen Kirche. Denn die versteht sich ganz explizit als „Teil der einen Kirche Jesu Christi“. Ihr ökumenisches Engagement geht im Gegensatz zu anderen Freikirchen deutlich über das in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen oder der Evangelischen Allianz hinaus.

Markant ist etwa die enge Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche in der Diakonie. Das ganz im Sinne eines der sozialen Grundwerte der Methodisten, die ihren Auftrag auch in der Krankenpflege, Altenbetreuung oder der Behinderten- und Suchtgefährdetenarbeit sehen.

Gerarde das demokratische Wesen der Kirche und das Fehlen einer doktrinären theologischen Ausrichtung öffnet die Türen weit für die Ökumene im Bewusstsein der eigenen Werte und der Selbstständigkeit. Grundlegend gehört dazu die Unabhängigkeit vom Staat, was auch bedeutet, dass die Kirche auf Mittel aus der Kirchensteuer verzichtet und sich über Spenden finanziert. „Auch hier verstehen wir uns als Freiwilligenkirche, in der jeder selbst entscheidet, was er gibt und welche Begabungen er einsetzt, damit wir unseren Auftrag erfüllen können“, hebt Pastor Lacher hervor. Das Prinzip der Freiwilligkeit macht auch den großen Unterschied zu evangelischen Kirche aus. „Bei uns wird man nicht durch die Taufe oder Konfirmation Mitglied, sondern durch das bewusste Bekenntnis zu Jesus Christus und zu unserer Kirche.“

Entgegen anderen Freikirchen ist bei den Methodisten in Deutschland die Taufe von Kindern und von Erwachsenen üblich. „Auch hier herrscht bei uns eine große Offenheit“, so Lacher. „Wir machen da keine Unterschiede und erkennen auch die Taufe aller anderen christlichen Kirchen an.“ Und falls Eltern ihren Kindern die Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt selbst überlassen möchten, können sie sie bei einer Feier in der Kirche segnen lassen.

Wenngleich in viele ländliche Gemeinschaften wie in Stutensee oder Weingarten nicht mehr als mit eigener Gemeindestruktur bestehen, blüht das Kirchenleben in Karlsruhe und auf Bezirksebene. Fast 500 Mitglieder zählt man dort bei neun Predigtplätzen und fünf Pastoren. Ein buntes Bild also. „Die Leute kommen aus der ganzen Gegend“, freut sich Pastor Junginger bei einem wie immer vollen Gottesdienst in der Karlsruher Erlöserkirche. Und nicht unerwartet sieht man dort dann auch so manches Gesicht aus den Nachbargemeinden von Weingarten und Stutensee.

Alexander Werner

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